Was ist Fakt in der Landwirtschaft ?

Biodiversität und Landwirtschaft-

Wie sind die Veränderungen der Agrarlandschaft zu verstehen und zu bewerten?

Gerhard Breitschuh, Hans Eckert, Ulrich Hampicke, Lutz Reichhoff und Martin Görner

Mit der rasanten Entwicklung der Landwirtschaft sind deutliche Veränderungen der Agrarlandschaft verbunden. Eine veränderte Anbaustruktur, vergrößerte Felder, erhöhte Düngung und Pflanzenschutz, aber auch die Verwendung leistungsfähigerer Landtechnik gelten in der Öffentlichkeit als Verursacher einer verminderten Biodiversität im Agraraum.

Die AF-Autoren Gerhard Breitschuh, Hans Eckert, Ulrich Hampicke, Lutz Reichhoff und Martin Görner setzen sich im Themenpapier und dem Faktencheck mit nachfolgenden Fragen auseinander:

  1. Wie sind die Veränderungen der Agrarlandschaft zu verstehen und zu bewerten?
  2. Wie lässt sich der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Öffentlichkeit/Naturschutz entschärfen?
  3. Können die bewirtschaftungsbedingten Risiken solcher Umweltwirkungen objektiv gemessen und beurteilt werden?
  4. Warum reduzieren landwirtschaftliche Betriebe die Anzahl angebauter Fruchtarten?
  5. Gibt es einen statistischen Beleg für die Verengung der Fruchtartenvielfalt in deutschen Landwirtschaftsbetrieben?
  6. Trotz der überwiegend guten Fruchtartendiversität ist Monotonie eine der meist gebrauchten Bezeichnungen für die Agrarlandschaft.  Wie entsteht ein derartiger Eindruck?
  7. Verbreitet entsteht der Eindruck, dass ganze Gemarkungen jährlich nur mit einer Fruchtart bebaut werden. Wie kann dieser Monotonie begegnet werden?
  8. Die Anbaukonzentration von Mais wurde so erhöht, dass regional von „Vermaisung“ gesprochen wird. Wie ist das zu beurteilen?
  9.  Ist der moderne Ackerbau überhaupt mit hoher Biodiversität vereinbar?
  10. Lässt sich ein Ausgleich zwischen Produktions- und Biotopfunktion im Agrarraum schaffen?
  11. Erhalt bzw. Schaffung von ÖLV verursacht Kosten? Wer soll diese Kosten tragen?
  12. Wie kann eine zukunftsfähige Agrarstruktur mit den Zielen Kulturlandschaftserhalt und Umweltverträglichkeit verbunden werden?

Themenpapier:  TB 32 BiodiversitaÌ-t 111 20221119.pdf (214204)

Facktencheck:   FC Vielfalt 10 2016014.pdf (156045)


Auf der Unterseite "Identifizierung" können Sie diesem Themenpapier zustimmen und einsehen, welche Personen sich bisher bereits identifiziert haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ausführlichen Fragen und Antworten finden Sie unter: BioD 57 20160215.pdf (324,7 kB)

Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens und definiert sich durch die Vielfalt der drei Ebenen Ökosysteme, Arten und Gene sowie deren Wechselwirkungen*): Änderungen der äußeren Bedingungen bewirken einen Anpassungsdruck, der die Artenvielfalt modifiziert. Anliegen der Evolution ist mithin nicht der Artenerhalt, sondern die Artenänderung. Das daraus erwachsende Konfliktpotenzial zwischen den Akteuren erfordert die sachliche Abwägung und weniger schlagwortartige Behauptungen, wie nachfolgende Bespiele zeigen.

*) www.biodiversitaet2010.ch/wissen/definition/

Behauptet wird:

Fakt ist:

Auf Bio-Äckern kommen deutlich mehr Wildkraut- und Tierarten vor als auf konventionellen - was wenig verwundert, da keine Herbizide, Pestizide und leicht lösliche Handelsdünger eingesetzt werden und die Fruchtfolgen vielfältiger sind. Gerade für Ackerwildkräuter - hier steht bundesweist jede zweite Art in mindestens einem Bundesland auf der Roten Liste - kann Öko-Landbau praktizierten Artenschutz demonstrieren.

www.boelw.de/biofrage_24

In den 1960er Jahren, auf deren Ertragsniveau der Öko-Landbau stehengeblieben ist, war die Biodiversität flächendeckend größer. Seitdem haben sich in Gunstgebieten die Erträge verdreifacht. Dort kann es keine Integration von Kultur- und Wildarten geben. Hier sind im Sinne der Segregation gesonderte Biotope zu erhalten bzw. einzurichten, die für die Regionen eine Mindestausstattung an Biodiversität sichern.
Auch die Umstellung auf den Öko-Landbau kann zwar bezüglich Biodiversität manche Probleme mildern, aber insbesondere auf dem Grünland anspruchsvolle Zielstellungen auf diesem Gebiet auch nicht erfüllen. Die geringen Erträge führen zu einem Mehrverbrauch des knappen Faktors Fläche, die dann nicht mehr für den Naturschutz zur Verfügung gestellt werden kann.

Schon heute werden über 50 % der für die menschliche Ernährung benötigten Nahrungsenergie lediglich aus drei Pflanzenarten (Mais, Reis, Weizen) erzeugt. Andere Kulturpflanzenarten werden entsprechend weniger genutzt.

www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige Landnutzung/BioloogischeVielfaltadresse/Texte/Agrro-Biodiversitaet.

Dies ist global so, handelt es sich doch dabei um das Brotgetreide für eine wachsende Erdbevölkerung. In Deutschland hat der Getreideanteil in den letzten Jahrzehnten nicht zugenommen, auch wenn der Anteil anderer Getreidearten zu Gunsten von Weizen reduziert wurde.

Die Zukunft der Vielfalt von Flora und Fauna ist abhängig von einer familienbäuerlichen Landwirtschaft.

www.bundniedersachsen.de/nc/Pressemitteilungen/detail/artikel/mehr-vielfalt-in-der-agrarlandschaft-umweltminister-wenzel-erhaelt-uelzener-erklaerung-auf-hof-tue/

Sicherlich ist das Erscheinungsbild einer "kleinstrukturierten" (bäuerlichen') Bewirtschaftung vielfältiger. Allerdings entspricht eine derartige Bewirtschaftung immer weniger den Anforderungen, die heute an die Landwirtschaft gestellt werden.

Die industrielle Landwirtschaft erzeugt reichlich billige Nahrung, hat aber in den reichen Ländern die bäuerliche Landwirtschaft weitgehend zerstört, ... , sie zerstört Böden und verändert den Stickstoff- und Phosphatkreislauf der Erde.
www.oekosystem-erde.de/html/indusrielle_Landwirtschaft html_02
 
Dass die industrielle Landwirtschaft die Böden zerstört, wird seit 40 Jahren behauptet, dennoch steigen Erträge und Bodenfruchtbarkeit weiter.
Der N-Kreislauf der Erde ist weitgehend geschlossen. Ausgangs- und Endpunkt ist der Luftstickstoff. Daran ist nichts zu verändern.
Einen Phosphatkreislauf gibt es nicht. Hier gilt es, jegliche Verschwendung zu vermeiden und die Wiedergewinnung (Knochen, Flusssedimente, Abwasser) zu forcieren.

Die Nahrungsbereitstellung für eine wachsende Menschheit ist prioritär und verlangt Produktionsmethoden, die Bild und Biotopcharakter der entstehenden Kulturlandschaft und damit die Artenvielflalt einschneidend verändern.

Um eine Mindestausstattung an Biodiversität zu gewährleiten, ist ein konstruktives Miteinander von Landwirten, Landschaftsplanern und Naturschützern unabdingbar.

Weiterlesen zu Agrarfakten Biodiversität können Sie unter: BioD 57 20160215.pdf (332493)

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