Was ist Fakt in der Landwirtschaft ?

AgrarFakten Extra: Humus und klimawandel

Immer wieder wird die Minderung der Bodenfruchtbarkeit insbesondere durch zu geringe Humusgehalte der Böden befürchtet und beschworen. Ein Bespiel dieser Befürchtungen liefert das Interview von Herrn Hans Herren mit Frau Sandra Kirchner, veröffentlicht im Magazin "Klimakiller" vom 07.12.14. Zu diesem Interview beziehen die AgrarFakten-Autoren Martin Körschens, Hans Eckert und Gerhard Breitschuh im nachfolgenden Agrarfakten-Extra Humus und Klimawandel Stellung.
Gleichzeitig sehen sich die Mitglieder des Förderverbands HUMUS e.V. veranlasst, in einem offenen Brief vom 19.12.2014 die Bundesministerin für Bildung und Forschung Frau Prof. Dr. Wanka auf die Defizite der gegenwärtigen Humusforschung in Deutschland aufmerksam zu machen.   
 
Offener Brief des Förderverbandes Humus 19 12 2014.pdf
(96 kB)

Was treibt Herrn Hans Herren an, wenn er im Interview mit Frau Sandra Kirchner  (Magazin „Klimaretter“ vom 07.12.14) über die moderne Landwirtschaft in Deutschland urteilt,  sachlich unhaltbare Behauptungen aufstellt und den Berufsstand als profitorientiert diskriminiert? [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].

Die landwirtschaftlich genutzten Böden in Deutschland verfügen über eine hohe Fruchtbarkeit. Diese erst ermöglicht und gewährleistet eine effiziente und umweltverträgliche Erzeugung der in Deutschland benötigten Nahrungs-, Industrie-  und Energierohstoffe.

Behauptet wird:

Fakt ist:

„Eine profitorientierte Landwirtschaft  laugt vielerorts die Böden aus und verschlimmert die Bodendegradation“ [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].

Die Erträge wurden im Verlaufe der letzten 50 Jahre nahezu verdreifacht. Damit hat die  moderne Landwirtschaft  den entscheidenden Beitrag zur Ernährungssicherung geleistet. Die dazu notwendigen jährlichen  Ertragsanstiege von knapp 2 %  sind grundsätzlich nicht mit ausgelaugten und degradierten  Böden zu erreichen.

Zu denken gibt, dass diese Vorwürfe mit der Aufforderung verbunden werden, die  „Agrarwende“ zum Öko-Landbau zu realisieren, dessen Ertragsniveau auf dem Stand der 1960er Jahre verharrt (Weizenertrag 28 dt/ha vgl. zu 62 dt/ha; BMELV 2011/12).

 

„Fruchtbare Böden mindern den Klimawandel, weil sie viel Kohlenstoff aufnehmen und für lange Zeit speichern.

Das setzt voraus, dass die Böden nicht gepflügt und nach Bioland-Methoden bebaut werden“  [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].  

Landwirtschaftliche Böden eignen sich nicht für langfristige CO2-Sequestrierungen (SCHULZ 2008; In: Mögliche Beiträge der Landwirtschaft zum Klimaschutz. Localland&soilnews no.24/25 I/08)
Der C-Einbau in die org. Bodensubstanz vollzieht sich außerordentlich langsam (jährlich 0 bis < 1 t C/ha) und ist ausgesprochen ineffektiv (Einbaurate 10-20%; KÖRSCHENS et al. 2014). Hinzukommt, dass der Bodenhumus ein empfindliches C-Depot ist, das sehr schnell (Bodenbearbeitung) zur CO2–Quelle werden kann.

Pfluglose Bodenbearbeitung bewirkt, nach den Ergebnissen vieler Dauerversuche, eine Erhöhung der Humusgehalte im oberen  und eine Verringerung im unteren Krumenbereich, insgesamt aber nur eine geringe bzw. gar keine Zunahme des Gesamthumusgehaltes.

Die C-Speicherung ist aber in jedem Fall viel zu gering, um den Klimawandel spürbar zu mindern. Dabei helfen auch die Bioland-Methoden nicht weiter. Im Gegenteil: Die geringen Erträge dieser Landbauform bedingen auch wesentlich geringere Ernterückstände und eine reduzierte C-Einlagerung [www.agrarfakten.de/Humus; agrarfakten.de/Öko-Landbau; agrarfakten.de/Treibhausgase].

Lange Fruchtfolgen – so wünschenswert diese aus vielen Gründen auch sind -   werden daran kaum etwas ändern.

„Die Privatinteressen (der Produzenten) gehen nicht in dieselbe Richtung wie die gesellschaftlichen Interessen. In den Böden geht es darum, immer mehr auf weniger Böden zu produzieren. Das heißt, man muss mehr Düngemittel und Chemie einsetzen und  man braucht  auch mehr Wasser. Und das geht  alles in die falsche Richtung“. [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].

Die „falsche Richtung“ meint den Intensivierungsprozess, den die europäische Landwirtschaft seit 50 Jahren beschreitet. Diesem Intensivierungsprozess ist es zu verdanken, dass  heute die quantitative Selbstversorgung erreicht und  qualitativ hochwertige  Nahrungsmittel für jedermann erschwinglich geworden sind. www.agrarfakten.de/Mineraldüngung 2014]. Dass  mit dieser Intensivierung Umweltbelastungen einhergingen, wird nicht verkannt. Diese sind aber nicht zwangsläufig, sondern durch gezielte Beratung abstellbar. Der Prozess der umweltverträglichen Intensivierung mit steigenden Erträgen muss weitergehen, um bei einem Flächenverlust in Deutschland von ca. 100 ha/d den wachsenden Ansprüchen nach Nahrungsgütern, Bioenergie, Rohstoffen und Flächen für Naturschutz, Siedlungsbau und Verkehr nachzukommen. Im Übrigen zeigen diese seit über 50 Jahren anhaltende Ertragssteigerungen, dass Privatinteressen (Gewinnerzielung) sehr wohl mit gesellschaftlichen Interessen (Versorgungssicherheit) übereinstimmen können.
„Bodenschutz funktioniert mit einer angepassten Landwirtschaft. Mit Prinzipien der Agrarökologie oder des Biolandbaus kommt man zu einem guten Boden “. [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].

Ein „guter“ Boden zeichnet sich durch eine hohe Bodenfruchtbarkeit aus, die es erlaubt, kostengünstig mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Ertrag zu produzieren ohne Nachhaltigkeitsprinzipien [Breitschuh u. Eckert 2008] zu verletzen.

Der Öko-Landbau versteht offensichtlich unter Bodenfruchtbarkeit etwas anderes, wenn er den hohen Fruchtbarkeitsstatus seiner Böden betont, die aber nur Erträge bringen, die  halb so hoch und doppelt so teuer sind wie die der intensiven Landwirtschaft . Damit sind die heutigen Ansprüche an den knappen Faktor Boden bei weitem nicht zu bewältigen, so dass der Öko-Landbau zunehmend mit dem Nachhaltigkeitsgebot  in Konflikt gerät.

„Die Leute (Konsumenten) kennen nicht die Konsequenzen von billiger Nahrung. Sie wissen nicht, dass die Böden zerstört werden, wenn man immer mehr rausholt als man reinbringt. ....

Deshalb muss man mehr über die Auswirkungen informieren. Man muss in die Schulen gehen..Sie müssen verstehen, was das Problem mit dem billigen und schlechten Essen  ist“. [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].

Richtig ist dagegen, dass  eine effiziente und umweltverträgliche Landwirtschaft seit Jahrzehnten dem stark wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln in hoher Qualität entspricht.
Richtig ist auch, dass dies eine kontinuierliche Steigerung der Bodenfruchtbarkeit erfordert, indem man zumindest das wieder in den Boden „reinbringt“, was  man mit den Erträgen „rausholt“. Richtig ist ferner, die Aufklärungsarbeit, insbesondere in den Schulen zu verbessern und diese zu befähigen, die Vor- und  Nachteile des viel diskutierten Öko-Landbaus  im Verhältnis zur herkömmlichen Landwirtschaft zu sehen.
Der Vorwurf, die intensive Landwirtschaft zerstöre die Böden ist angesichts ihrer Leistungsfähigkeit absurd. Das umso mehr, als dieser Vorwurf aus einer Richtung kommt, deren mangelnde Leistungsfähigkeit systemimmanent ist.

„Man muss die Tiere aus den Fabriken holen“ [http://www.klimaretter.info/ernaehrung/hintergrund/17760].

Diese Aussage ist ebenso unsachlich, wie die obige Diskussion zur Bodenfruchtbarkeit. Wir verweisen hier dennoch nur auf [www.agrarfakten,de /Massentierhaltung ].

Die Autoren der AgrarFakten bemühen sich, der zunehmenden Flut von aggressiven und diffamierenden Darstellungen der modernen Landwirtschaft solide belegte Fakten entgegenzustellen. Sie  zeigen, welche Anstrengungen unternommen werden,  um vorhandene Umweltbelastungen bzw. Nachhaltigkeitsdefizite zu beseitigen. Es geht darum, auch in Zukunft flächendeckend die nachhaltige Erzeugung der benötigten Agrarrohstoffe zu sichern. Wir sehen in den Unterschieden  zwischen Landwirten, die gleichermaßen effizient und umweltverträglich wirtschaften und jenen, denen dies noch nicht gelingt, den Schlüssel zur Verbesserung. Ideologisch geprägte Glaubensbekenntnisse an Stelle von Fakten sind dabei wenig konstruktiv.

Lesen Sie auch den offenen Brief der Mitglieder des Förderverbandes HUMUS e.V. an die Bundesministerin
 
           Offener Brief des Förderverbandes Humus 19 12 2014.pdf (98 kB)
 
und das Merkblatt Humus und Klimawandel des Föderverbands HUMUS e.V. 
 
           FVH Humus und Klima 221214.pdf (1138 kB) 
 

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