Was ist Fakt in der Landwirtschaft ?

Bioenergie wurde zu einem neuen Produktionsfeld vieler landwirtschaftlicher Betriebe, die damit ihr Produktionsprofil diversifizieren, Risiken mindern und neue, attraktive Arbeitsplätze schaffen. Nach anfänglicher Euphorie über die Möglichkeit, mittels Bioenergie knappe Ressourcen zu schonen und Treibhausgase zu reduzieren, mehren sich gegenwärtig Stimmen, die den Energiepflanzenanbau aus diversen Gründen ablehnen.
Nachfolgend werden einige dieser Gründe aufgelistet und kritisch kommentiert.

Behauptet wird:

Fakt ist:

Bioenergie sei ein Klimakiller und emittiere deutlich mehr Treibhausgase (THG)  als angenommen.

Umweltinstitut (2012): Klimakiller Agrarenergie

 Die Einbeziehung der Prozessemissionen in die THG-Bilanz incl. Lachgas und Methan ist gängige Praxis. Dennoch ist die THG-Bilanz der Bioenergie positiv. Allerdings können willkürlich gesetzte Faktoren für indirekte Landnutzungsänderungen, insbesondere die Prozessemissionen bei Biokraftstoffen so stark erhöhen, dass diese nicht mehr die Anforderungen erfüllen und praktisch unverkäuflich werden.

Energiepflanzen würden in Deutschland zum Flächenkonkurrenten für Nahrungsmittel.

Leopoldina (2012). Bioenergie – Möglichkeiten und Grenzen. Empfehlungen

Die Situation in Deutschland wird durch steigende Erträge und eine schrumpfende Bevölkerung geprägt. Eine Lebensmittelverknappung ist hier daher nicht zu befürchten.

Die Umwandlung von Getreide in Treibstoff verknappe das Lebensmittelangebot, erhöhe den Import aus der Dritten Welt und führe dort zu Hunger und Umweltkonflikten. 

Neue soziale Marktwirtschaft (2.6.2008). Energiefresser Bioenergie

Der Hunger hat viele Ursachen, von denen Krieg, Armut und Korruption die wichtigsten sind. Der Meinung, dass auch exportbedingter Flächenmangel dazu gehört, steht entgegen, dass aus vielen Gründen in der Dritten Welt Millionen ha Ackerfläche brachfallen und dem Landgrabbing unterliegen.

Die Ackerböden in Europa verlieren den notwendigen Kohlenstoff in zu hohen Raten, weshalb mehr Pflanzenreste zurück geführt werden müssen.

Leopoldina (2012). Bioenergie – Möglichkeiten und Grenzen. Empfehlungen

Die Behauptung trifft für Deutschland nicht zu. Entsprechende Dauerversuche und Untersuchungen in der Praxis zeigen, dass die Humusgehalte in den Ackerböden mehrheitlich im optimalen Bereich liegen. Bewirtschaftungsbedingte Verluste werden durch Humusbilanzierungen ermittelt und ausgeglichen. Untersuchungen im Rahmen von KUL auf einer Fläche von 700.000 ha belegen, dass 90 % der Betriebe einen positiven Humussaldo zwischen 100 bis 500 kg Humus-C/ha aufweisen.

Die Bioenergie löse einen Intensivierungsschub aus, der Umweltschäden durch Landnutzungsänderungen (Grünlandumbruch, Feuchtgebiete) sowie Monotonie und mangelnde Vielfalt zur Folge habe.

NABU (15.1.2009): Konjunkturprogramm nicht für Intensivlandwirtschaft missbrauchen (Pressemitt.)

Bei Energiepflanzen entfallen in der Regel qualitätsbeeinflussende hohe N- und PSM-Gaben. Zusammen mit der Einsparung fossiler Ressourcen und der THG-Minderungen sind die Umweltrisiken wesentlich geringer als bei Nahrungspflanzen, zumal neue Energiepflanzen die Diversität erhöhen. 

Der Energiepflanzenanbau versteht sich als Brückentechnologie und wird sukzessive durch Industriepflanzen ersetzt werden.  Längerfristug gewinnt Bioenergie aus landwirtschaftlichen Koppel- und Nebenprodukten, insbesondere aus Wirtschaftsdüngern, als flächenunabhängige Energiequelle zunehmend an Bedeutung.

Agrarfakten-Bioenergie finden Sie unter:    Bioenergie 35 090514.pdf (289668)

 

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